Sechsklässler der Rudolf-Steiner-Schule singen die h-Moll-Messe
20.11., 17 Uhr, Bach: h-Moll-Messe, Rudolf Steiner-Schule, Roter Saal, Mergelteichstraße 51.
BRÜNNINGHAUSEN. Seit vielen Jahren singen Sechsklässler der Rudolf-Steiner-Schule in der Adventszeit Bachs Weihnachtsoratorium und am Totensonntag ein großes geistliches Werk.
Jetzt greifen die Kinder und Jugendlichen nach den Sternen und führen am Sonntag (20.11.), 17 Uhr, Bachs h-Moll-Messe auf. Ein Probenbesuch.
Die katholische Messe des protestantischen Komponisten ist ein Opus Magnum. Sie erfordert einen fünf- bis achtstimmigen Chor, gehört zum Schwersten, was Laien singen können. In der Steiner-Schule steht sie zum ersten Mal auf dem Programm.
„Die Eltern und Lehrer aus unserem Vokalensemble wollen auch mal ein neues, großes Werk kennen lernen“, sagt Musiklehrerin Linde Geisen. Sie sitzt am Klavier, auf der Bühne klappen 32 Schülerinnen und Schüler aus der 6b die Noten auf: „Credo“.
„Schön sprechen, und freundliche Augen machen. Dann sind die Töne gleich heller“, ermuntert Linde Geisen. Helle, hohe Kinderstimmen singen aus vollen Kehlen, wuseln sich später durch die Fuge im „Sanctus“, stimmen ganz zart und leise ein „et incarnatus est“ an.
„Macht den Mund schön weit auf, damit die Töne raus dürfen“, erklärt die Lehrerin, die jetzt in Altersteilzeit ist, aber die großen Konzerte weiter auf die Bühne bringt. Das ist der Schule wichtig.

Musikalischer Griff nach den Sternen: Bilder von den Proben der Rudolf-Steiner-Schule für Bachs h-Moll-Messe.
Bach bei der Oma
„Meine Oma singt auch in einem Chor. Bach hör ich manchmal im Radio“, erzählt Jana (11). „Die Messe ist schon ein bisschen schwer, aber es entspannt, zu Singen“, sagt Laura.
Die 16-Jährige ist in der 12b und singt im Sopran. Seit der sechsten Klasse hat sie alle großen Konzerte an der SteinerSchule mitgesungen. Weil’s so schön ist und so viel Spaß macht. „Es ist auch mal schön, wenn man etwas Schwieriges singt und an seine Leistungsgrenze geht.
Dann kann man sich hinterher freuen, was man leisten kann“, freut sich Miriam (11) über die Herausforderung.
„Die Spaghetti-Noten sind schwer“, sagt Clemens (11). „Das sind so Schlangennoten“, beschreibt Jana das, was Fachleute schwere Koloraturen nennen.
Singen schweißt die Schüler zusammen. Über den Klassenverband und Altersstufen hinweg. Jüngster Sänger in dem großen Chor, zu dem auch 30 Erwachsene, Lehrer, Eltern und Freunde der Schule gehören, ist Tim (9) aus der 4a.
Schon in der zweiten Klasse hat er in der Chor-AG gesungen. „Meine Schwester Leonie und meine Mutter singen auch mit. Und die Proben sind ja oft abends. Da kann ich ja nicht alleine zu Hause bleiben“, erklärt der Neunjährige ganz praktisch und singt wieder aus voller Kinderkehle
mit: „Dona nobis pacem“.
Das singen alle im Chor am liebsten. Das haben die Kinder auch schon beim Fest der Chöre im Mai in St. Reinoldi gesungen. Linde Geisen wollte den Kindern das Erlebnis ermöglichen, in einem großen, sakralen Raum bei dem Gemeinschaftsfest der Sänger aufzutreten. Die Proben für die h-Moll-Messe haben dann erst richtig nach den Sommerferien begonnen.

Musikalischer Griff nach den Sternen: Bilder von den Proben der Rudolf-Steiner-Schule für Bachs h-Moll-Messe.
Zwischen Alt und Bass
Leonie ist mit ihrer Freundin Paulina in der 8b und bildet mit zwei Jungen aus der 12b den zweiten Alt. Dario und Jannik (18) singt eigentlich Bassisten, in der Bach-Messe singen sie die CountertenorPartie im zweiten Alt. „Umschalten zwischen Bass und Alt ist schwer, aber wenn man einmal in der Stimmlage ist, geht es“, sagt Dario. „Man holt die hohen Töne woanders her“, erklärt Jannik.
Wo die Schüler die glockenhellen, schweren Töne herholen, hört das Publikum am Sonntag. Unterstützt werden sie von einem Orchester aus Profimusikern und erfahrenen Solisten. Ebenso bei den Auszügen aus allen sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums am 11.12. mit der andren sechsten Klasse. Bach hätte seine Freude daran gehabt.
—von Julia Gaß
—Fotos Oliver Schaper
Bron: http://www.ruhrnachrichten.de
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